Die Expansion des US-Südkommandos in Lateinamerika und der Karibik

Die Expansion des US-Südkommandos in Lateinamerika und der Karibik

Die Expansion des US-Südkommandos in Lateinamerika und der Karibik

Ein Artikel von amerika21

Das United States Southern Command (SOUTHCOM), verantwortlich für die Koordination und Führung aller militärischen Operationen der USA in Lateinamerika und der Karibik, hat eine bedeutende Ausweitung der militärischen Präsenz der USA und der strategischen Allianzen in Lateinamerika und der Karibik eingeleitet. Diese Initiative spiegelt den anhaltenden Einfluss Washingtons in der Region wider und stärkt eine moderne Interpretation der Monroe-Doktrin, die darauf abzielt, die Vorherrschaft der USA über Angelegenheiten der Hemisphäre aufrechtzuerhalten, insbesondere in Bezug auf natürliche Ressourcen, Handelsrouten und geopolitische Stabilität innerhalb des Paradigmas der regelbasierten Ordnung der USA. Von Teri Mattson.

Ausweitung der militärischen Präsenz der USA

Während der gesamten Amtszeit der Regierung von Joe Biden erweiterten die USA ihre militärische Präsenz, indem sie bestehende Stützpunkte verstärkten und neue Basen errichteten. Das SOUTHCOM konzentrierte sich auf wichtige Standorte in Mittelamerika, an der amerikanischen Pazifikküste und in der Karibik, um so die Kontrolle über kritische Infrastrukturen und natürliche Ressourcen zu sichern und ausländischem Einfluss entgegenzuwirken, insbesondere der von Washington wahrgenommenen Bedrohung durch China.

Kolumbien: Mit sieben US-Militärstützpunkten (zwei Marine-, drei Luftwaffen- und zwei Armeestützpunkte) bleibt Kolumbien einer der engsten militärischen Partner der USA in der Region. Unter Richardson [General Laura J. Richardson, von 2021 bis 2024 Kommandeurin des SOUTHCOM, Anm. d. Red.] nahmen gemeinsame Operationen, Ausbildungsmanöver und Infrastrukturinvestitionen zu, wodurch der Einfluss der USA auf die Energie- und Mineralressourcen des Landes sichergestellt wurde.

Ecuador: Im Jahr 2023 schlossen die USA ein Sicherheitskooperationsabkommen mit Ecuador und entsandten Militärpersonal und Ressourcen zur Bekämpfung des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität in Ecuador. Es folgten Gespräche über die Entwicklung eines neuen Standorts für die Sicherheitszusammenarbeit, um die Kontrolle der USA über die regionalen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu stärken. Darüber hinaus erhielten die USA Zugang zu den Galápagos-Inseln für Militäreinsätze und erweiterten damit die Seekontrolle im Pazifik.

Guyana: Inmitten der von Washington provozierten Spannungen mit Venezuela verstärkten die USA die militärische Zusammenarbeit mit Guyana. Ende 2023 führte SOUTHCOM gemeinsame Operationen mit der Guyana Defense Force durch, darunter Luft- und Seesicherheitsübungen, und festigte die Beziehungen zu diesem wichtigen Ölförderland.

Peru: Im Mai 2023, inmitten sozialer Unruhen nach dem parlamentarischen Putsch gegen Pedro Castillo, genehmigte der peruanische Kongress den Einsatz von US-Truppen zur Ausbildung des peruanischen Militärs und der Nationalpolizei. Die Maßnahme setzte eine Tradition der militärischen Ausbildung durch die USA in der Region fort – eine Praxis, die bis in die 1990er-Jahre zurückreicht, als die Diktatur von Alberto Fujimori herrschte und das SOUTHCOM mehrere Stützpunkte im Land unterhielt.

Vertiefung von Allianzen und militärischen Partnerschaften

Über die physische Expansion hinaus intensivierte SOUTHCOM das diplomatische und militärische Engagement durch Sicherheitsabkommen, gemeinsame Trainingsprogramme und Initiativen zum Kapazitätsaufbau, wodurch die Hegemonie der USA gefestigt und gleichzeitig der kontinuierliche Zugang zu strategischen Ressourcen und Handelsrouten sichergestellt wurde.

Das National Guard’s State Partnership Program (SPP): Im Geschäftsjahr 2024 führten SOUTHCOM und die Nationalgarde über 300 gemeinsame militärische Aktivitäten mit Partnernationen der Region durch, wodurch die Verteidigungszusammenarbeit und die Krisenreaktionsfähigkeiten gestärkt wurden.

Panama: In Anerkennung der strategischen Bedeutung Panamas bekräftigte Generalin Richardson 2022 das Engagement für die Sicherung des Panamakanals, indem sie die gemeinsamen Sicherheitsmaßnahmen zur Gewährleistung der Kontrolle über diesen wichtigen globalen Handelskorridor verstärkte.

Operationen in der Karibik: Das SOUTHCOM verstärkte Partnerschaften in der Karibik durch militärische Ausbildung, Drogenbekämpfungseinsätze und humanitäre Hilfe. In Haiti intensivierten die USA ihre Krisenmaßnahmen, entsandten Marinesoldaten zur Sicherung der US-Botschaft und lieferten gepanzerte Fahrzeuge an die kenianische Polizei, die eine UN-mandatierte Sicherheitsmission leitet. Darüber hinaus bereiteten die USA ihre Marinebasis in Guantánamo auf die Aufnahme eines möglichen Zustroms haitianischer Migranten vor.

Geopolitische Überlegungen und strategische Ziele

Die Expansion von SOUTHCOM steht im Einklang mit umfassenderen strategischen Zielen und stärkt die Grundsätze der Monroe-Doktrin im 21. Jahrhundert.

Generalin Richardson hob den Ressourcenreichtum der Region hervor: „Mit all seinen reichen Ressourcen und Seltene-Erden-Elementen … es gibt das Lithiumdreieck … 60 Prozent des weltweiten Lithiums befinden sich im Lithiumdreieck: Argentinien, Bolivien, Chile”, erklärte sie im Januar 2023.

Diese Äußerung unterstreicht die entscheidende Rolle, die die Kontrolle über natürliche Ressourcen in der Strategie der USA spielt. Durch die Sicherung des Zugangs zu diesen lebenswichtigen Ressourcen sichern sich die USA nicht nur ihren technologischen und wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil, sondern stärken auch ihre Fähigkeit, ausländischem Einfluss in der westlichen Hemisphäre entgegenzuwirken.

Während die USA souveräne Handels- und Militärbündnisse ihrer Nachbarn zurückweisen, versuchen sie, die wachsenden wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen Chinas in der Region einzudämmen, indem sie US-Partnerschaften stärken und kritische Infrastrukturen sichern, insbesondere in ressourcenreichen Ländern.

Die Stärkung militärischer Allianzen unterstützt die von den USA definierte regionale Stabilität, indem sie das, was Washington als „autoritäre Einflüsse“ bezeichnet, abwehrt und gleichzeitig den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wie Öl, Lithium und Seltene Erden sichert, die für die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen High-Tech-Industrie von entscheidender Bedeutung sind.

Die Ausweitung des militärischen Einflusses der USA hat jedoch Bedenken hinsichtlich der nationalen Souveränität und der Ressourcenkontrolle in Lateinamerika und der Karibik aufgeworfen.

Die zunehmende Einflussnahme der USA auf die nationale Sicherheitspolitik schränkt die Fähigkeit der lokalen Regierungen ein, ihre Verteidigungs- und Wirtschaftsinteressen unabhängig zu gestalten. Rohstoffreiche Nationen finden sich oft unter indirekter Aufsicht der USA wieder, wobei Washington häufig Bemühungen um einen Regime Change vorantreibt, um langfristig Zugang zu wertvollen Rohstoffen zu erhalten.

Kontinuität unter der neuen Trump-Regierung

Die Regierung von Donald Trump übernimmt eine umfangreiche militärische Infrastruktur und regionale Bündnisse, die unter Biden und dem U.S. Southern Command ausgebaut wurden. Dies schafft ein politisches Kontinuum in den Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika, das möglicherweise die strategischen Ziele von Trump vorgibt.

Die Ernennung von Marco Rubio zum Außenminister und Pete Hegseth zum Verteidigungsminister deutet auf eine Beschleunigung innerhalb des Kontinuums hin.

Rubios Fokus auf die Bekämpfung Chinas und seiner Verbündeten in der westlichen Hemisphäre könnte zu verstärkten diplomatischen und wirtschaftlichen Initiativen und/oder Bedrohungen in der Region führen.

Gleichzeitig könnte Hegseths Schwerpunkt auf der Reduzierung der europäischen Sicherheitsverpflichtungen die militärischen Ressourcen der USA in Richtung der westlichen Hemisphäre verlagern.

Diese Entwicklungen deuten auf eine mögliche strategische Verschiebung im Zusammenhang mit der Asien-/Pazifik-Wende der Regierung von Barack Obama hin, die die militärische Infrastruktur und die Allianzen der USA in Lateinamerika und der Karibik weiter in den Vordergrund rückt.

Es ist wichtig, die Politik der USA gegenüber Lateinamerika als eine Abfolge von Ereignissen zu betrachten, die sich über mehrere Regierungen erstreckt.

Unter der Biden-Regierung und Generalin Richardson hat SOUTHCOM die US-Militärstützpunkte und -Allianzen in Lateinamerika und der Karibik erheblich ausgebaut. Diese Expansion unterstreicht die langfristigen strategischen Ziele Washingtons, dem ausländischen Einfluss entgegenzuwirken, Handelsrouten zu sichern und die militärische Dominanz in der westlichen Hemisphäre aufrechtzuerhalten.

Da die Trump-Administration nun diese militärische Expansion geerbt hat, wird sich das Engagement der USA in der Region fortsetzen, was kritische Fragen zur nationalen Souveränität, zur Kontrolle der Ressourcen und zur langfristigen regionalen Stabilität aufwirft.

Teri Mattson ist Lateinamerika-Koordinatorin der US-Friedensorganisation Codepink.

Übersetzung: Vilma Guzmán, Amerika21

Titelbild: SOUTHCOM

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