ARD-Tagesschau wird in der Zeitenwende konsequent als Instrument der einseitigen Meinungsmache eingesetzt – zwei Beispiele

ARD-Tagesschau wird in der Zeitenwende konsequent als Instrument der einseitigen Meinungsmache eingesetzt – zwei Beispiele

ARD-Tagesschau wird in der Zeitenwende konsequent als Instrument der einseitigen Meinungsmache eingesetzt – zwei Beispiele

Ein Artikel von Frank Blenz

Auf der Internetseite tagesschau.de nachzublättern, lässt selbstdenkende, medienkritische Nutzer regelmäßig den Kopf schütteln. Warum produzieren die öffentlich-rechtlichen Redaktionen, ihre Autoren ohne Unterlass geradezu hysterisch und begeistert massenhaft publizistisches Material, das nur der geistigen Aufrüstung des Publikums dient statt der bitter nötigen Aufklärung? Die Antwort könnte lauten: Deren Auftrag ist auf den totalen Durchmarsch programmiert, Einseitigkeit und inhaltliche Gefälligkeit inklusive. Die Masche ist ARD-Dauerzustand, folgend nur zwei Beispiele eines normalen Nachrichtentages plus einer Perle des Wortes. Ein Zwischenruf von Frank Blenz.

ARD-„Leerstunde“: Der böse Trump da – die gute EU, allen voran Frau von der Leyen, dort

Auf der Seite tagesschau.de blättere ich regelmäßig. Dieser Tage las ich kurz untereinander zwei Artikel und bemerkte sofort das Tendenzielle, das Wertende (in einem Bericht!) und die für mich damit verbundenen unangenehmen Zwischentöne. Die Überschrift I war: „Trump-Putin-Telefonat – Große Worte und ein mageres Ergebnis“. Die Überschrift II lautete: „Strategie wird vorgestellt – Wie die europäische Verteidigung aussehen soll“.

Vorab gesagt, erscheinen uns Normalbürgern alle Überschriften und Artikel der ARD-Tagesschau zunächst irgendwie seriös und klassisch formuliert, vernünftig und plausibel wirkend – wer soll da was dagegen einzuwenden haben? Die Tagesschau ist ja das Nachrichten-Flaggschiff der Deutschen, die Quelle des Vertrauens, nicht wahr? Bei genauerem Hinsehen jedoch stellt sich nicht selten heraus, dass schön verpackt knallhart und permanent Stimmung gemacht und eine ganz bestimmte, nämlich unsere allseits bekannte Wir-sind-die-Guten-Weltsicht verbreitet wird. Tag für Tag. Sobald aber einem linientreu agierenden Autor, einer Autorin in der politischen ARD-Einheitsfront ein Inhalt nicht ins Konzept passt, gibt es eine Gegenüberstellung und entsprechenden Widerspruch, wie es an und für sich ja journalistisch geboten ist. Wenn aber ein Inhalt eines Beitrags ganz im Sinne des Verfassers und der Auftraggeber ist, dann bleiben Gegenargumente im Gegenüberstellen von Für und Wider aus. Siehe hier:

Dazu passt, wie bei der Überschrift I, dass der aktuelle US-Präsident (aber scheinbar nur der, alle Vorgänger waren ja klasse, Ironie aus) nicht ganz dicht ist, dass er nur das große Maul hat und (was Wunder) nur „magere“ Ernten einfährt.

Trump-Putin-Telefonat

Große Worte und ein mageres Ergebnis

Nach seinem Gespräch mit Russlands Staatschef Putin zeigt US-Präsident Trump sich mit dem Ergebnis zufrieden.

Kritiker warnen dagegen, dass Putin die USA nur hinhalte und auf Zeit spiele.
Quelle: Tagesschau

Der Satz „Kritiker warnen dagegen, dass Putin die USA nur hinhalte und auf Zeit spiele.“ ist interessant wie entlarvend. Tatsächlich ziemt es sich journalistisch, einerseits einen Inhalt öffentlich zu machen und dann auch das „Andererseits“ anzuhängen: hier mit dem Einwand von Kritikern. Wie sieht es mit dem „Andererseits“ beim nächsten Artikel aus?

Ganz anders läuft das nach Sicht der ARD bei der EU, in unserem Haus Europa, die deutsche politische Klasse eingeschlossen:

Strategie wird vorgestellt

Wie die europäische Verteidigung aussehen soll

Wie kann die EU auf die aktuellen Bedrohungen reagieren? Die EU-Kommission stellt heute die neue Verteidigungsstrategie vor. In dem sogenannten Weißbuch stehen Gemeinschaftsprojekte und die Aufrüstung im Mittelpunkt.

In der Überschrift II ist von Strategie die Rede und davon, wie das mit der Verteidigung aussehen soll. Schon im weiteren Verlauf wird Tacheles gesprochen: Im Mittelpunkt steht die Aufrüstung. Das Andererseits? Kritik, Einwände? In diesem Artikel findet sich dazu kein Wort. Vielmehr gerät die Autorin Helga Schmidt in ihrem Brüsseler ARD-Büro fast ins Schwärmen (was in einem Kommentar akzeptabel wäre):

Ein europäisches Weißbuch für Verteidigung hat es noch nie gegeben. So eine Sammlung von grundsätzlichen Zielen und Plänen für die Rüstungspolitik fiel nicht in die Zuständigkeit der EU-Kommission, das war Sache der Verteidigungsminister in den Mitgliedsländern.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Europas Sicherheitsarchitektur ist aus den Fugen geraten, sagt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie war die treibende Kraft bei der Entstehung des Weißbuchs für Europas Verteidigung.
Quelle: Tagesschau

Ja, ja, die Zeiten haben sich also geändert. Und gewisse Dinge hat es noch nie gegeben und Europa ist aus den Fugen geraten. Warum nur? Keine Antwort. Dafür Jubel, dass die ehrenwerte Ursula von der Leyen die „treibende Kraft“ ist. Kritik kommt nicht auf. Keinem derartigen Zitat wird Zeilenzahl eingeräumt.

Mir kommt wieder der Satz aus dem ersten Beitrag in den Sinn: „Kritiker warnen dagegen, dass Putin die USA nur hinhalte und auf Zeit spiele.“ Warum fehlen solche Warnungen von Kritikern versus EU, von der Leyen, Weißbücher?

Man stelle sich nur mal vor, der Europaabgeordnete Martin Sonneborn (Die Partei) würde sich bei der Tagesschau zu den Themen kritisch äußern dürfen und mit seinen Worten das eingelullte, auf Linie getrimmte Tagesschau-Publikum aufschrecken oder ihm besser gesagt die Augen öffnen. Was er unter anderem über von der Leyen zu sagen hat, lässt die „Europäischen Verteidigungspläne samt Weißbuch“ in einem ganz anderen, entlarvenden Licht erscheinen. Das wissen die ARD-Leute. So durfte Sonneborn sich im Cicero äußern, wie es auch in die ARD gehören würde:

Seit Frau von der Leyen die Kommission führt, vertritt diese mehr denn je die Interessen großer US-Konzerne und der Nato – aber nicht die ihrer Bürger. Das Magazin Politico hat sie als „die amerikanische Präsidentin der EU“ betitelt. Jetzt hat sie angedroht, europäische Waffenkäufe nach dem Vorbild der Impfstoffbeschaffung zu organisieren. Ich sehe weitere 35 Milliarden verschwinden.
Quelle: Cicero

Und weiter geht die ARD-Meinungsmache – wer nicht mitmacht, der ist ein Abweichler

Ein weiterer Beitrag auf tagesschau.de stößt einem auf: „Massive Aufrüstung als Antwort auf Trump“. Die tägliche Mühle der Meinungsmache dreht sich weiter. Unwidersprochen wird von öffentlich-rechtlichen Akteuren „massive Aufrüstung“ als Antwort verkauft auf einen Präsidenten, der tatsächlich lediglich ein weiterer typischer US-Regierungschef ist und ganz und gar nicht unähnlich seinen ebenso aggressiven Vorgängern agiert, von einer „Kehrtwende“ kann also keine Rede sein. Doch feiert die ARD die „Reaktion“ der EU und findet, dass das Handeln der europäischen Strippenzieher versus „Kehrtwende“ durchaus angezeigt sei. Die ARD bedauert dann und wertet (und das in einem Bericht!), dass es „jedoch“ einen „Abweichler“ gibt. Wie kann man nur vom Kurs abweichen? Die ARD meint:

Massive Aufrüstung als Antwort auf Trump

Die EU reagiert mit massiver Aufrüstung auf die außenpolitische Kehrtwende der USA und Trumps Unberechenbarkeit. Bei der Ukraine-Hilfe gibt es jedoch einen Abweichler in Europa.

Solange jedoch das Werben keinen Erfolg liefert, muss und will sich die EU selbst verstärkt um die Unterstützung der Ukraine kümmern. Wobei, um präzise zu sein: 26 der 27 Mitgliedsstaaten wollen das – Ungarn schert wie so häufig aus. Und die anderen Staats- und Regierungschefs am Gipfeltisch hatten offenbar kein Interesse, länglich mit Viktor Orban über einen, womöglich weicher gespülten, Kompromisstext zu verhandeln.

Was für eine Wortwahl! Abweichler. Ungarn schert wie so häufig aus. Mit Orbán über weicher gespülte Kompromisstexte verhandeln.

Wo der Hase langzulaufen hat, liefert die Tagesschau zuverlässig

Eine Perle journalistischer Folgsamkeit mit einer Prise versteckter Häme, gekrönt von Begeisterung für den gerade angesagten Rüstungswahn liefert Christian Feld in diesem Beitrag. Der Journalist ist für die ARD in Brüssel und versorgt uns, das deutsche Publikum, mit Nachrichten, Einordnungen, alles ganz seriös und fein formuliert offerierend. Die Perle liest sich so:

Das Ziel ist, die Ukraine in eine Position größtmöglicher Stärke zu bringen und so “Frieden durch Stärke” zu erreichen. Eine Formel, die so gänzlich anders klingt als das “Frieden schaffen ohne Waffen”, das jahrzehntelang auf Aufklebern oder Schildern der Friedensbewegung zu lesen war. Dazu passt, dass Polens Regierungschef Donald Tusk ein “Wettrüsten mit Russland” aufnehmen und gewinnen will.
Quelle: Tagesschau

ARD-Mann Feld springt auf und nieder ob größtmöglicher Stärke, lächelt darüber, dass die Aufkleber der Friedensbewegung aus der Mode sind, und findet es passend, dass der durchgedrehte Tusk aus Polen das Wettrüsten aufnehmen und gewinnen will. Der Feind ist ja auch lange, lange schon benannt: Russland.

Ich klicke tagesschau.de … weg.

Titelbild: Sharaf Maksumov/shutterstock.com